Biografie

Fotograf

Joachim Giesel ist 1940 in Breslau (heute Wrocław) geboren. Nach der Flucht seiner Familie aus Schlesien absolvierte Giesel von 1958–1961 eine Ausbildung zum Berufsfotografen in Hannover und war anschließend bis 1966 als Bildjournalist bei der Hannoverschen Presse tätig. Giesel legte 1965 die Meisterprüfung ab und machte sich daraufhin mit einem eigenen Fotostudio selbstständig. Zusammen mit seinem Berufskollegen, darunter Heinrich Riebesehl, Umbo (Otto Umbehr) und Kurt Julius organisierte Giesel 1969 die Ausstellung 10 Photographen in Hannover in der Galerie Kubus sowie 1970 Drei Photographen und ein Mädchen. 1972 gründete er u.a. zusammen mit Riebesehl, Karin Blüher und Peter Gauditz die spectrum Photogalerie, eine der ersten Fotogalerien Europas, welche insgesamt 88 Ausstellungen eröffnete. 1979 wurde die spectrum Photogalerie in das Sprengel Museum integriert und bildete dort die Basis der Fotografischen Sammlung. Von 1979 bis 1999 war Giesel Fotograf für das Niedersächsische Staatstheater. 1980 schloss er an der Fachhochschule Dortmund das Studium zum Diplom Designer für Fotografie ab. Ferner lehrte er an den Fachhochschulen in Bielefeld (1979/80), Dortmund, Wuppertal und der Bundesfachschule für Photographie in Hamburg (1979). Bis 2006 bildete er 15 Fotografinnen und Fotografen aus, darunter u.a. Thomas Weski.

Zu Giesels bekanntesten Serien und Buchpublikationen zählen Grenzland-Niemandsland (1965–1989), Tänzer-Portraits (1989), Photo Portraits aus Hannover (1990), Der Mensch in der Gruppe (1970-1979), Verrückt nach Ilten (2003), 100 Hannoversche Köpfe (2006) und Hauptsache Arbeit (2010).

Mit seiner Serie aus dem Fundus der hannoverschen Oper gewann Giesel 1983 in Novi Sad bei der Triennale Le théâtre dans l’art photographie den ersten Preis. Giesel erhielt 1985 den Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk und wurde 1992 als Europäischer Porträtfotograf des Jahres ausgezeichnet. 2001 wurde ihm der Victor – Grand Prix der Fotografie für das Lebenswerk verliehen während des Internationalen Festivals für Fotografie in Belgrad durch die Association of Independent Professional Photographers (PPofE bzw. EAP).

Der Fotograf wurde 1971 in die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL, heute Deutsche Fotografische Akademie) und 1973 in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Darüber hinaus ist er Mitglied im Bund Freischaffender Fotodesigner und war von 1981 bis 1987 erster Vorsitzender des Centralverbandes Deutscher Photographen (gleichbedeutend mit dem Amt des Bundesinnungsmeisters).

Die Fotografische Sammlung des Münchner Stadtmuseum beherbergt 18 Fotografien von Joachim Giesel, darunter Werke aus Mensch in der Gruppe, Fassaden und Strom für unser Leben. Im Sprengel Museum Hannover befinden sich vier Werke der Serie Tänzer-Portraits: Claudia Jung, Robert Underwood, Khalend Mansour, Mehmet Balkan. Im Haus der Photographie in den Deichtorhallen in Hamburg befinden sich die Werke Bolero 1 (Sonia Santiago) aus dem Jahr 1990 und das Werk Jean Soubeyran aus dem selben Jahr, aus der Serie Photo-Portraits aus Hannover.

RLG