Promis

Joachim Giesel, Porträt Doris Dörrie (aus der Serie Photo-Portraits aus Hannover), München, 1989.

„Das Chaos macht mich kreativ!“, sagt die Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Doris Dörrie zu Giesel, als dieser im Juni 1989 ihr unaufgeräumtes Arbeitszimmer in München-Schwabing betritt. Entspannt sitzt sie auf ihrem Regiestuhl, Attribut eines jeden Filmschaffenden, und blickt nachdenklich in die Kamera. Ihr hellblonder Kurzhaarschnitt ist ihr Markenzeichen. Dazu trägt sie legere Alltagskleidung, eine gemusterte Stoffhose, ein übergroßes T-Shirt und auffälligen Schmuck – ganz im Stil der 1980er Jahre. Umgeben ist sie von Büchern, darunter ein Bildband zu Henri Matisse, Videokassetten sowie Malutensilien. Auf dem überfüllten Schreibtisch, wo Giesel seine Kamera positioniert hat, stapeln sich Zeitungen und Notizen. Kunstwerke und Fotografien zieren die Wände. Aus dieser, einem Wimmelbild gleichenden Fotografie, sticht Dörrie heraus. Genauso wie aus der überwiegend männlich geprägten Filmlandschaft: Mit Witz und Leichtigkeit erzählt sie Geschichten menschlicher Beziehungsgeflechte und wird zu einer der erfolgreichsten deutschen Regisseurinnen ihrer Generation. Der Durchbruch gelingt ihr 1985 mit der Komödie Männer. Darin erzählt sie von der Krise eines jungen Paares und richtet mit Augenzwinkern den Blick auf vornehmlich männliche Schwächen. Im Entstehungsjahr des Porträts erscheinen zwei Komödien von ihr: Geld und Love in Germany. Dörries Geschichten offenbaren das Interesse am Menschen im Alltäglichen. Dass der Fotograf und die Filmemacherin dieses Interesse teilen, wird beim Betrachten des Porträts deutlich.

Zoe Jarmila Warmbrunn